Beiträge aus dem Jahr: 2015

Prost, Jostes! Alte Glandorfer Brennerei in neuem Glanz

Glandorf. Nein, fertig rausgeputzt ist die alte Brennerei Jostes im Glandorfer Ortskern noch nicht. Aber seit im Sommer bekannt wurde, dass das Gebäude mit Gewölbekeller restauriert und von barrierefreien Wohnungen umgeben werden soll, hat sich viel getan. Destillat eines Baustellen-Rundgangs.

Wer einen Schritt hinter den Bauzaun wagt, merkt schnell: Gummistiefel wären keine schlechte Idee gewesen. Gerade wird gewühlt und gebaggert, damit die Versorgungsleitungen noch vor dem Winter in die Erde gebracht werden können. Die Außenfassade der Brennerei und die „Tröte“, der Schornstein im Innenhof, halten mit hellem, neuen Putz dagegen.

Feuerstelle im Sockel

60000 Euro hat es gekostet, die Tröte bis zum Sockel abzureißen und originalgetreu inklusive Feuerstelle wieder aufzubauen. Ein Projekt für Liebhaber, denn: „Denkmalschutzauflagen gibt es nicht“, sagt Bauherr August Gründker. „Aber ich bin nunmal Glandorfer“, erklärt er Schweiß und Schotter für das alte Brennerei-Gebäude, das samt Außenanlage den Ortskern wiederbeleben soll.

Fördergelder in Sicht?

Das Glandorfer Bauunternehmen hofft auf finanzielle Förderung. Die Gemeinde ist bisher allerdings nicht Teil eines Dorferneuerungsprogramms. „Wir haben inzwischen aber einen Antrag auf Aufnahme in das Programm „Dorfentwicklung“ beim Land Niedersachsen gestellt“, teilte Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann auf Nachfrage mit. Für Anfang Dezember habe das Ministerium eine Entscheidung angekündigt. Rückwirkend fließen die Fördergelder in der Regel nicht, erklärte Manfred Böhling, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, die allgemeinen Richtlinien. Die Arbeiten auf dem alten Brennerei-Gelände werden sich aber bis 2016/2017 erstrecken, auch wenn 2015 schon einiges unter der Tröte passiert ist.

Alte Brenngeräte beleben

Der Gewölbekeller wurde per Hand ausgehoben. Die knapp 160 Quadratmeter hinter Sprossenfenstern schreien nach Restaurant oder Weinkeller, aber „wir wollen in alle Richtungen denken“, sagt August Gründker. Noch ist offen, wer hier unten einzieht. Alte Thermometer und Brenn-Vorrichtungen erinnern an Glandorfs hochprozentige Vergangenheit an diesem Fleck. Zwar soll nicht wieder „Jostes Witten“ gebrannt werden, aber zu Anschauungszwecken soll es brodeln. Ortsgeschichte aus dem Kessel.

Zufällig Brunnen gefunden

Bei den Bauarbeiten wurde im Eingangsbereich durch Zufall ein alter Brunnen entdeckt, etwa zwei Meter Durchmesser. „Bis jetzt ist er unergründlich tief“, sagen Unternehmer August Gründker und Maurerpolier Willi Peters, die versucht haben, der Sache auf den Grund zu gehen. Das Fundstück soll nicht einfach wieder überbaut werden. „Wir können ihn über eine Glasplatte sichtbar machen und ins Konzept einbeziehen“, nennt Gründker eine Idee.

Erste Mieter ab März?

Für die Etagen über dem Gewölbe gibt es klare Pläne: Hier wird der Glandorfer Friseur- und Kosmetiksalon Anja Schloesser einziehen – mit Maniküre, Pediküre und Visagisten. Schon jetzt geben neue, blitzblanke Sprossenfenster eine Ahnung vom Feinschliff, der in dieser Etage geleistet werden könnte. Über einen Aufzug ist diese Etage genauso wie eine der beiden Wohnungen unterm Dach der Brennerei zu erreichen. Wenn alles glatt läuft, können diese Räumlichkeiten ab März vermietet werden.

Schweinestall ade

August Gründker steht auf dem neu eingezogenen Balkon mit gutem Blick über die Baustelle. „Es bleibt noch viel zu tun“, sagt er und deutet auf die Stelle Richtung Busbahnhof, an der einst ein Schweinestall stand. Das Gebäude wurde bereits abgerissen. Dort, wo gegrunzt wurde, sollen im Jahr 2016 vier barrierefreie Wohnungen und eine Praxis entstehen. Allein in Brennerei und Schweinestall-Nachfolger investiert das Unternehmen 1,6 Millionen Euro. Kann es hier Unterstützung geben? Vielleicht. Das Amt für regionale Landesentwicklung fördert zum Beispiel über das Eler-Programm (EU) sogenannte Basisdienstleistungen, die auch hier geplant sind.

Im Hof verweilen

Gründker deutet auf ein rotes Backsteingebäude, den alten Bullenstall, Teil drei des Projektes. Dort sollen 16 Wohnungen und eine Sockelgarage gebaut werden. So weit ist es aber noch nicht. Auch die Parkplatzsituation muss noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. „Wichtig ist uns das offene Konzept“, betont Gründker. Junge und alte Menschen sollen hier im Ortskern ein Zuhause finden. Sie können von der Münsterstraße vorbei an der Tröte zum zentralen Busbahnhof laufen. Durchgang erwünscht.

Mehr Sitzgelegenheiten

Auch Außengastronomie sei auf dem Platz denkbar. „Wir wollen auf jeden Fall mehr Sitzgelegenheiten schaffen“, sagt Gründker und spricht von einem „Wohlfühlraum“. Wenn es warm wird, halten viele Fahrradfahrer im Zentrum an der Glandorfer Eisdiele. Die Möglichkeiten, sich gemütlich in die Sonne zu setzen und zu verweilen, sind bisher überschaubar. „ Wir wollen nicht nur die Brennerei anfeuern, sondern den ganzen Kern.

(Neue Osnabrücker Zeitung, 01.12.2015)

Hier gibt es Fotos und den Artikel

Neues Leben in alter Glandorfer Brennerei Jostes

Im Glandorfer Ortskern tut sich was: Die Bauunternehmer und Brüder August und Karl Gründker bringen die alte Korn-Brennerei Jostes an der Münsterstraße in Schuss. In einem ersten Schritt investieren sie 1,5 Millionen Euro. Neben Gastronomie im Gewölbekeller sollen auf dem Gelände barrierefreie Wohnungen entstehen.

„Alles klar mit Korn“ – der verwitterte Aufkleber an der Eingangstür der alten Destillerie erzählt ebenso wie die alten Kessel und Thermometer im Innern von Zeiten, in denen an der Münsterstraße in Glandorf noch „Jostes’ Witten“ gebrannt wurde. 1824 hatte Ludwig Jostes die Brennerei in Betrieb genommen. Vier Generationen führten diese Familientradition fort – bis vor wenigen Jahren. Ein Stück hochprozentiger Gemeindegeschichte. Und jetzt? Einfach abreißen?

Gebäude bleibt erhalten

Bauunternehmer August Gründker (66) kaufte das Gebäude vor zwei Jahren. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, das Brennerei-Gebäude zu erhalten“, sagte sein Bruder und Ur-Glandorfer Karl Gründker (63). Das Gebäude ist nicht denkmalgeschützt, soll aber trotzdem bleiben. Eine neue Nutzung hat der Landkreis bereits genehmigt.

Dort, wo einst Hochprozentiger gebrannt wurde, soll er zumindest künftig noch über die Theke wandern. „Der alte Gewölbekeller lechzt förmlich nach Gastronomie“, sagte Karl Gründker beim Rundgang durch den Keller, der per Hand ausgehoben wurde.

Außengastronomie möglich

Nicht nur auf 150 Quadratmetern im Gewölbe, auch im Innenhof unter freiem Himmel bietet das Gelände Platz für Tische und Stühle. „Außengastronomie ist hier möglich“, sagte Gründker und sieht vorm inneren Auge schon Radfahrer im Ortskern Rast machen. „Der alte Schornstein im Außenbereich ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für Glandorf, und das soll auch so bleiben“, betonte der Investor mit Blick auf „die Tröte“, wie er ihn nennt. Die Glandorfer Bauunternehmer hoffen bei der Gestaltung des Innenhofes samt Tröte auf Ilek-Gelder, die zum Beispiel in die Pflasterung fließen könnten. „Da müssen wir uns in einem nächsten Schritt drum kümmern“, bestätigte Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann, die die neuen Umdrehungen im Herzen der Gemeinde sehr begrüßt. Die Zeitpläne sind ambitioniert. Zur Jahreswende soll die alte Brennerei bezugsfertig sein. Ein Betreiber für die Gastronomie ist noch nicht gefunden.

Friseur, Kosmetik und Wohnungen

Für die Fläche über der Gastronomie sieht das anders aus. Hier haben sich bereits Mieter gefunden. Der Glandorfer Friseur- und Kosmetiksalon von Anja Schloesser – mit Maniküre, Pediküre und Visagisten – wird in die ehemalige Brennerei einziehen. Er wird über einen Aufzug erreichbar sein. Oben unterm Dach sind zwei „junge Wohnungen“ geplant, so Gründker. Sprich: Die Mieter sollten Treppen steigen können.

Barierrefreies Wohnen

Anders sieht es auf dem restlichen Gelände aus, auf dem momentan noch zwei Ställe stehen. Der ehemalige Schweinestall wird abgerissen. Hier sollen im Jahr 2016 eine Praxis und vier barrierefreie Wohnungen zwischen 80 und 110 Quadratmetern gebaut werden. Die Unternehmer investieren 1,5 Millionen Euro in Brennerei und den Nachfolger des Schweinestalls. „Würde man nur auf den Euro schauen, wäre so ein Projekt überhaupt nicht machbar“, begrüßte Jens Gieseke, CDU-Europa-Abgeordneter auf Stippvisite, die Idee der Gründkers, die Brennerei zu erhalten und ein Gesamtkonzept zu schaffen.

Mehr Wohnungen 2016/2017

Dort, wo jetzt noch der ehemalige Bullenstall steht, sollen in den Jahren 2016/2017 bis zu 25 barrierefreie Wohneinheiten geschaffen werden – Sockelgarage inklusive. „Mehrere Generationen können hier zusammenleben. Das passt zu Glandorf“, findet Karl Gründker und freut sich auf neue Dynamik unter der Tröte.

Neue Osnabrücker Zeitung, 19.06.2015