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Neues Leben in alter Glandorfer Brennerei Jostes

Im Glandorfer Ortskern tut sich was: Die Bauunternehmer und Brüder August und Karl Gründker bringen die alte Korn-Brennerei Jostes an der Münsterstraße in Schuss. In einem ersten Schritt investieren sie 1,5 Millionen Euro. Neben Gastronomie im Gewölbekeller sollen auf dem Gelände barrierefreie Wohnungen entstehen.

„Alles klar mit Korn“ – der verwitterte Aufkleber an der Eingangstür der alten Destillerie erzählt ebenso wie die alten Kessel und Thermometer im Innern von Zeiten, in denen an der Münsterstraße in Glandorf noch „Jostes’ Witten“ gebrannt wurde. 1824 hatte Ludwig Jostes die Brennerei in Betrieb genommen. Vier Generationen führten diese Familientradition fort – bis vor wenigen Jahren. Ein Stück hochprozentiger Gemeindegeschichte. Und jetzt? Einfach abreißen?

Gebäude bleibt erhalten

Bauunternehmer August Gründker (66) kaufte das Gebäude vor zwei Jahren. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, das Brennerei-Gebäude zu erhalten“, sagte sein Bruder und Ur-Glandorfer Karl Gründker (63). Das Gebäude ist nicht denkmalgeschützt, soll aber trotzdem bleiben. Eine neue Nutzung hat der Landkreis bereits genehmigt.

Dort, wo einst Hochprozentiger gebrannt wurde, soll er zumindest künftig noch über die Theke wandern. „Der alte Gewölbekeller lechzt förmlich nach Gastronomie“, sagte Karl Gründker beim Rundgang durch den Keller, der per Hand ausgehoben wurde.

Außengastronomie möglich

Nicht nur auf 150 Quadratmetern im Gewölbe, auch im Innenhof unter freiem Himmel bietet das Gelände Platz für Tische und Stühle. „Außengastronomie ist hier möglich“, sagte Gründker und sieht vorm inneren Auge schon Radfahrer im Ortskern Rast machen. „Der alte Schornstein im Außenbereich ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für Glandorf, und das soll auch so bleiben“, betonte der Investor mit Blick auf „die Tröte“, wie er ihn nennt. Die Glandorfer Bauunternehmer hoffen bei der Gestaltung des Innenhofes samt Tröte auf Ilek-Gelder, die zum Beispiel in die Pflasterung fließen könnten. „Da müssen wir uns in einem nächsten Schritt drum kümmern“, bestätigte Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann, die die neuen Umdrehungen im Herzen der Gemeinde sehr begrüßt. Die Zeitpläne sind ambitioniert. Zur Jahreswende soll die alte Brennerei bezugsfertig sein. Ein Betreiber für die Gastronomie ist noch nicht gefunden.

Friseur, Kosmetik und Wohnungen

Für die Fläche über der Gastronomie sieht das anders aus. Hier haben sich bereits Mieter gefunden. Der Glandorfer Friseur- und Kosmetiksalon von Anja Schloesser – mit Maniküre, Pediküre und Visagisten – wird in die ehemalige Brennerei einziehen. Er wird über einen Aufzug erreichbar sein. Oben unterm Dach sind zwei „junge Wohnungen“ geplant, so Gründker. Sprich: Die Mieter sollten Treppen steigen können.

Barierrefreies Wohnen

Anders sieht es auf dem restlichen Gelände aus, auf dem momentan noch zwei Ställe stehen. Der ehemalige Schweinestall wird abgerissen. Hier sollen im Jahr 2016 eine Praxis und vier barrierefreie Wohnungen zwischen 80 und 110 Quadratmetern gebaut werden. Die Unternehmer investieren 1,5 Millionen Euro in Brennerei und den Nachfolger des Schweinestalls. „Würde man nur auf den Euro schauen, wäre so ein Projekt überhaupt nicht machbar“, begrüßte Jens Gieseke, CDU-Europa-Abgeordneter auf Stippvisite, die Idee der Gründkers, die Brennerei zu erhalten und ein Gesamtkonzept zu schaffen.

Mehr Wohnungen 2016/2017

Dort, wo jetzt noch der ehemalige Bullenstall steht, sollen in den Jahren 2016/2017 bis zu 25 barrierefreie Wohneinheiten geschaffen werden – Sockelgarage inklusive. „Mehrere Generationen können hier zusammenleben. Das passt zu Glandorf“, findet Karl Gründker und freut sich auf neue Dynamik unter der Tröte.

Neue Osnabrücker Zeitung, 19.06.2015