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Prost, Jostes! Alte Glandorfer Brennerei in neuem Glanz

Glandorf. Nein, fertig rausgeputzt ist die alte Brennerei Jostes im Glandorfer Ortskern noch nicht. Aber seit im Sommer bekannt wurde, dass das Gebäude mit Gewölbekeller restauriert und von barrierefreien Wohnungen umgeben werden soll, hat sich viel getan. Destillat eines Baustellen-Rundgangs.

Wer einen Schritt hinter den Bauzaun wagt, merkt schnell: Gummistiefel wären keine schlechte Idee gewesen. Gerade wird gewühlt und gebaggert, damit die Versorgungsleitungen noch vor dem Winter in die Erde gebracht werden können. Die Außenfassade der Brennerei und die „Tröte“, der Schornstein im Innenhof, halten mit hellem, neuen Putz dagegen.

Feuerstelle im Sockel

60000 Euro hat es gekostet, die Tröte bis zum Sockel abzureißen und originalgetreu inklusive Feuerstelle wieder aufzubauen. Ein Projekt für Liebhaber, denn: „Denkmalschutzauflagen gibt es nicht“, sagt Bauherr August Gründker. „Aber ich bin nunmal Glandorfer“, erklärt er Schweiß und Schotter für das alte Brennerei-Gebäude, das samt Außenanlage den Ortskern wiederbeleben soll.

Fördergelder in Sicht?

Das Glandorfer Bauunternehmen hofft auf finanzielle Förderung. Die Gemeinde ist bisher allerdings nicht Teil eines Dorferneuerungsprogramms. „Wir haben inzwischen aber einen Antrag auf Aufnahme in das Programm „Dorfentwicklung“ beim Land Niedersachsen gestellt“, teilte Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann auf Nachfrage mit. Für Anfang Dezember habe das Ministerium eine Entscheidung angekündigt. Rückwirkend fließen die Fördergelder in der Regel nicht, erklärte Manfred Böhling, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, die allgemeinen Richtlinien. Die Arbeiten auf dem alten Brennerei-Gelände werden sich aber bis 2016/2017 erstrecken, auch wenn 2015 schon einiges unter der Tröte passiert ist.

Alte Brenngeräte beleben

Der Gewölbekeller wurde per Hand ausgehoben. Die knapp 160 Quadratmeter hinter Sprossenfenstern schreien nach Restaurant oder Weinkeller, aber „wir wollen in alle Richtungen denken“, sagt August Gründker. Noch ist offen, wer hier unten einzieht. Alte Thermometer und Brenn-Vorrichtungen erinnern an Glandorfs hochprozentige Vergangenheit an diesem Fleck. Zwar soll nicht wieder „Jostes Witten“ gebrannt werden, aber zu Anschauungszwecken soll es brodeln. Ortsgeschichte aus dem Kessel.

Zufällig Brunnen gefunden

Bei den Bauarbeiten wurde im Eingangsbereich durch Zufall ein alter Brunnen entdeckt, etwa zwei Meter Durchmesser. „Bis jetzt ist er unergründlich tief“, sagen Unternehmer August Gründker und Maurerpolier Willi Peters, die versucht haben, der Sache auf den Grund zu gehen. Das Fundstück soll nicht einfach wieder überbaut werden. „Wir können ihn über eine Glasplatte sichtbar machen und ins Konzept einbeziehen“, nennt Gründker eine Idee.

Erste Mieter ab März?

Für die Etagen über dem Gewölbe gibt es klare Pläne: Hier wird der Glandorfer Friseur- und Kosmetiksalon Anja Schloesser einziehen – mit Maniküre, Pediküre und Visagisten. Schon jetzt geben neue, blitzblanke Sprossenfenster eine Ahnung vom Feinschliff, der in dieser Etage geleistet werden könnte. Über einen Aufzug ist diese Etage genauso wie eine der beiden Wohnungen unterm Dach der Brennerei zu erreichen. Wenn alles glatt läuft, können diese Räumlichkeiten ab März vermietet werden.

Schweinestall ade

August Gründker steht auf dem neu eingezogenen Balkon mit gutem Blick über die Baustelle. „Es bleibt noch viel zu tun“, sagt er und deutet auf die Stelle Richtung Busbahnhof, an der einst ein Schweinestall stand. Das Gebäude wurde bereits abgerissen. Dort, wo gegrunzt wurde, sollen im Jahr 2016 vier barrierefreie Wohnungen und eine Praxis entstehen. Allein in Brennerei und Schweinestall-Nachfolger investiert das Unternehmen 1,6 Millionen Euro. Kann es hier Unterstützung geben? Vielleicht. Das Amt für regionale Landesentwicklung fördert zum Beispiel über das Eler-Programm (EU) sogenannte Basisdienstleistungen, die auch hier geplant sind.

Im Hof verweilen

Gründker deutet auf ein rotes Backsteingebäude, den alten Bullenstall, Teil drei des Projektes. Dort sollen 16 Wohnungen und eine Sockelgarage gebaut werden. So weit ist es aber noch nicht. Auch die Parkplatzsituation muss noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. „Wichtig ist uns das offene Konzept“, betont Gründker. Junge und alte Menschen sollen hier im Ortskern ein Zuhause finden. Sie können von der Münsterstraße vorbei an der Tröte zum zentralen Busbahnhof laufen. Durchgang erwünscht.

Mehr Sitzgelegenheiten

Auch Außengastronomie sei auf dem Platz denkbar. „Wir wollen auf jeden Fall mehr Sitzgelegenheiten schaffen“, sagt Gründker und spricht von einem „Wohlfühlraum“. Wenn es warm wird, halten viele Fahrradfahrer im Zentrum an der Glandorfer Eisdiele. Die Möglichkeiten, sich gemütlich in die Sonne zu setzen und zu verweilen, sind bisher überschaubar. „ Wir wollen nicht nur die Brennerei anfeuern, sondern den ganzen Kern.

(Neue Osnabrücker Zeitung, 01.12.2015)

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